Hablzeitbetrachtungen

Das Statistische Bundesamt versorgt uns immer wieder mit nützlichen Informationen, die unser Leben bereichern können. So veröffentlichen die fleißigen Mitarbeiter aus Wiesbaden regelmäßig eine sog. Sterbetabelle, aus der man die durchschnittliche eines Lebenserwartung eines Menschen in Deutschland ablesen kann. Für den männlichen Teil der Bevölkerung kommt für meine Altersgruppe der Wert 39,69 heraus, soll heißen, im Durchschnitt bleiben mir noch 39,69 Jahre die ich durch dieses irdische Jammertal hindurch wandern muss (für den weiblichen Teil wären es noch 44,24, wobei man darüber streiten kann, ob das eine positive oder negative Information ist).
Da ich in diesem Jahr meinen 39. Geburtstag feiern werde bedeutet das für mich, dass ich statistisch gesehen Halbzeit habe.  Zeit also für eine Halbzeitbetrachtung. Was habe ich bisher erreicht und was noch nicht.

Für einen Mann gilt in der Regel, dass er die folgenden drei Dinge erreicht haben muss.
1. Haus gebaut.
2. Baum gepflanzt.
3. Kind gezeugt (früher sagte man noch statt Kind Sohn, aber die Zeiten haben wir zum Glück hinter uns gelassen).

Nicht ohne Stolz kann ich sagen, dass ich diese drei Meilensteine in der ersten Halbzeit meines Lebens erreicht habe. Nun gut, ich hatte Hilfe. Die ersten zwei Punkte habe ich durch Dienstleister erledigen lassen (wir leben ja in er Zeit der Spezialisierung und Arbeitsteilung). Was den dritten Punkt angeht, so habe ich ihn über erfüllt (und für die rückwärtsgewandte unter uns, es ist auch Sohn dabei) und zwar höchst selbst.

So weit, so gut. Was kommt nun? Waren die ersten drei Aufgaben noch stark auf den Allgemeinnutzen ausgerichtet, – Haus bauen für die Binnenkonjunktur, Baum pflanzen für die Umwelt, Kind zeugen für die Rentenkasse – so sind die nächsten Punkte auf der Löffel-Liste doch eher dem persönlichen Nutzen zuzuordnen.

4. Eine Weltreise machen.
5. Einen Fallschirmsprung machen.
6. Sex mit möglichst vielen Frauen haben.

Nun gut, das wird dann schon schwieriger.
Die Weltreise ist mir einfach zu teuer. Außerdem gibt es viel zu viele Länder die mir zu gefährlich, oder einfach nur unsympathisch sind. Der Fallschirmsprung scheitert an meiner Höhenangst, die nebenbei betrachtet auch nicht besonders förderlich für die Weltreise ist. Dem Sex mit möglichst vielen Frauen steht mein persönlicher Wertekanon im Weg und auch ein bisschen mein Blutdruck.
Ich werde mir also eine eigene, meine finanziellen, persönlichen und Werte induzierten Beschränkungen berücksichtigende Löffel-Liste erstellen müssen. Wer mir dabei helfen will, der kann dies gerne in den Kommentaren tun.
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Über das Alter

Ich werde langsam alt. Wie ich das gemerkt habe? Nun, es sind nicht die zunehmenden Falten, die mein Gesicht so interessant erscheinen lassen und auch nicht das graue Nasenhaar, das ich kürzlich entdecken musste. Es ist auch nicht der morgentliche Schmerz in den müden Knochen, der mich so sehr daran hindert das wärmende Bett zu verlassen.

Was mir mein zunehmendes Alter so schmerzlich bewusst gemacht hat ist die Tatsache, dass ich mich nicht mehr so einfach faulenzend auf die Couch legen kann. Ich bekomme sofort das Gefühl, dass ich noch so viel erledigen muss. Das war in meiner Schüler- und Studentenzeit ganz anders. Da konnte ich den halben Tag im Bett verbringen ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen. Wenn ich jetzt meinen von der Arbeit geschundenen Körper auf das heimische Sofa bette, um mich der kurzweiligen und sinnentleerten Unterhaltung des Fernsehers hin zu geben, oder auch einfach nur die Augen schließe, um mich, wenn auch nur für kurze Zeit, in das Land der Träume zu begeben, so kommen mir sofort die vielen unerledigten Dinge auf meiner ToDo-Liste in den Sinn. Muss die Küche mal wieder aufgeräumt werden, oder ist die Steuererklärung noch nicht finalisiert? Muss der Müll noch raus gebracht werden, oder das Material für den Kellerausbau bestellt werden? Sind noch Rechnungen für Hausfrau&Mutter zu schreiben, oder ist es wieder Zeit den Rasen zu mähen? Früher hätten mich diese Gedanken nicht davon abgehalten mich der Muße hinzugeben. Jetzt gerade piept die Spülmaschine und erinnert mich daran, dass sie jetzt ausgeräumt werden will.

Meine Theorie ist, dass diese innere Unruhe mit dem zunehmenden Alter zu tun hat. Eine Art von präseniler Arbeitswut. Ein sich gewahr werden, dass die Zeit langsam abläuft und es noch so viel zu tun gibt. Jetzt verstehe ich so langsam, warum Rentner nie Zeit haben. Sie haben halt so viel zu tun ;-) .

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Worship To Go

Das Leben wird immer schneller. Das ist an sich keine neue Information, mir ist es nur von Dieter Nuhr bei seinem Jahresrückblick 2009 ganz neu vor Augen geführt geworden. In früheren Jahren schien man einfach mehr Zeit zu haben. Heute muss alles schnell-schnell gehen, noch nicht einmal mehr schnell. Ein besonders drastisches Beispiel für die sich immer mehr beschleunigende Welt ist die Kaffeekultur. Während man in den Anfängen noch gemütlich im Kaffeehaus saß und sich genüsslich seinem Wiener Melange widmete, noch die Zeit hatte seine Jacke an die Garderobe zu hängen, ein stück Torte zu verzehren und in Ruhe den Kulturteil der FAZ durchforsten konnte, so kamen doch recht zügig die unsäglichen Stehkaffees auf, in die man sich nur noch begab, um in aller Eile eine Tasse schwarzen Filterkaffe – eher eine dürre Plörre, denn ein vollmundiger, wohl duftender Kaffee – in sich hinein zu kippen und nebenbei ein Teilchen hinunter zu würgen, wobei man sich der Jacke dabei nicht entledigte und selbst die Bildzeitung keines Blickes würdigte (ok, die Dame auf der erste Seite vielleicht noch).

Wer jetzt dachte, das Ende der Abwärtsspirale des guten Geschmacks wäre damit erreicht, der wurde dann doch bald eines besseren belehrt. Aus dem fernen Amerika schwappte eine neue Welle zweifelhafter Innovationen auf den alten Kontinent: “Coffee To Go”. Dabei wurde selbst der schlecht gereinigte Stehtisch weg rationalisiert und die Tasse gegen einen Pappbecher mit Schnabelansatz ersetzt. Diese trug man also von da an mit sich herum, als deutlich sichtbares Zeichen jetzt auch Teil der modernen Kommunikationselite zu sein (Die Tatsache, dass meine Kinder sich inzwischen standhaft weigern aus einer Schnabeltasse zu trinken scheint dann doch kein Zeichen einer natürlichen Entwicklung zu sein – Ich muss mir wohl doch Sorgen machen).

Was hat das alles jetzt mit Lobpreis zu tun?

Nun, im Lobpreis haben wir eine ähnliche Entwicklung mitgemacht. Während wir in den Anfangszeiten meiner bewussten Lobpreiswahrnehmung noch gesittet in Reihen saßen und die schönen Lieder aus Liederbüchern, in aller Demut und Andacht, aber doch gemeinsam unserem Herrn darbrachten, so musste ich bei meinem Wechsel in eine charismatische Gemeinde feststellen, dass dort – es ist eine junge Gemeinde – die Lieder vornehmlich stehend gesungen wurden und dazu noch nicht einmal mehr aus gebundenen Liederbüchern sondern von einem durch Overheadprojektoren an eine Wand projezierten Text, ohne Noten (inzwischen gibt es sogar Gemeinden die einen Beamer nutzen). Meine neue Gemeinde hatte also schon das Entwicklungsstadium des Steh-Lobpreises erreicht. Da hörte aber die Entwicklung nicht auf. Inzwischen kann man Lobpreis – und hier muss der geneigte Leser jetzt kurz inne halten, die Augen schließen und sich kurz auf das Entsetzliche einstellen – in konservierter Form auf tragbaren Abspielmedien erhalten und so auf dem Weg, quasi “To Go”, Lobpreismusik hören. Keine stille Andacht, kein Widerhall der Orgelklänge von den Wänden eines sakralen Kirchengebäudes. Nein, Lobpreis in der Isolation der Kopfhörer, im Shuffle-Mode sogar mit Zufallswiedergabe, damit es auch ja nicht langweilig wird. Was wird uns die Moderne in Zukunft noch bringen? Wohin soll das alles noch führen? Lobpreis in Twitter-Länge mit maximal 140 Zeichen? Lobpreis 2.0 mit Kommentarfunktion als Mashup? Kann ich bald Gott als Freund bei Facebook hinzufügen und meinen Lobpreis an seine Pinnwand posten?

Ich befürchte das Schlimmste.

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Das Leben ist (könnte) schön(er sein)?!

Es ist Samstag, draußen bedeckt Schnee die Landschaft, die Sonne scheint von einem wolkenlosen Himmel, in meinem Haus ist es warm und ich höre mir auf Youtube Lobpreislieder an und versuche sie auf der Gitarre nach zu spielen, Futter für Ohr und Seele. Das Leben ist schön.

Doch da kommt meine älteste Tochter, schnappt sich das Gesangsmikro und fängt an in meinen Lobpreis hinein zu reden und zu singen. Laut, lauter, viel zu laut, mit einem Tick zu viel Hall und natürlich nicht harmonisch auf meinen Gesang abgestimmt, der, weil unverstärkt, nicht gegen den meiner Tochter ankommt. Das Leben könnte schöner sein.

Und trotzdem. Diese wenigen Minuten waren für mich sehr schön. Selten war ich mit so vielen Personen die ich liebe auf so engem Raum zusammen.

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