Kontemplatives Zugfahren, oder wie die Bahn doch noch reif für die Börse wird
Gestern Abend, ich war gerade auf dem Heimweg nach einem langen und ereignisreichen Tag in Darmstadt, stieg ich in die letzte Regionalbahn, die mich nach Hause bringen sollte. Jahreszeitlich bedingt war es schon dunkel, doch es schien noch etwas Licht vom Bahnsteig in die Bahn, so dass ich der Tatsache, dass im Abteil selber kein Licht brannte keine große Beachtung schenkte. Ich freute mich darauf zum Ausklang des Tages noch etwas in meiner Lieblingszeitschrift Brand Eins zu lesen und begann auch gleich damit einen neuen Artikel zu studieren. Nach wenigen Minuten setze sich die Bahn in Bewegung und verlies den Bahnhof und damit auch den Lichtkegel der Bahnsteigbeleuchtung. Und plötzlich wurde mir bewusst, dass es im Bahnabteil selber stockdunkel war. An lesen war nicht zu denken.
Wie dunkel es nachts sein kann zeigt das folgenden Foto.

Nachts in der Bahn
Nun saß ich so im Dunkeln in der Bahn und dachte über die tieferen Beweggründe für diese Dunkelheit nach. Warum durfte ich meine Lektüre nicht zu Ende führen? Wollte die Bahn damit Strom sparen und so zu einem nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen werden, oder waren es handfeste wirtschaftliche Gründe, die sie dazu bewogen das Licht nach 23:00 Uhr ausgeschaltet zu lassen? Bringt die Ersparnis auf der Strecke Düsseldorf-Grevenbroich sie etwa ein Stück näher an die Börsenfähigkeit heran, oder hat der Zugführer schlicht vergessen einen Knopf zu drücken?
Persönlich bin ich davon überzeugt, dass die Bahn die spirituellen Bedürfnisse ihrer Kunden erforscht hat und darauf hin einen neuen Service eingeführt hat. In den 21 Minuten dieser Fahrt war ich ganz mir selbst und meinen Gedanken ausgeliefert. Es gab wenig was meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte und so war ich nahezu gezwungen über mich und meinen Platz im Leben nachzudenken.
- Wer bin ich? derLobpreisleiter!
- Woher komme? Aus Darmstadt!
- Wohin gehe ich? Nach Hause!
- Was ist meine Bestimmung? Ins Bett gehen!
Ich saß also still nachdenkend in diesem Zug, bis eine Stimme mich aus meiner meditativen Grundhaltung riss, die sagte: “Nächster Halt: Kapellen-Wevelinghoven. Ausstieg in Fahrtrichtung rechts.”.
Amen.





26. November 2009 um 11:00 Uhr
Volkmar sagt,
Das ist mal eine Sinnvolle beantwortung der Lebenssinn fragen.