Über das Alter

Ich werde langsam alt. Wie ich das gemerkt habe? Nun, es sind nicht die zunehmenden Falten, die mein Gesicht so interessant erscheinen lassen und auch nicht das graue Nasenhaar, das ich kürzlich entdecken musste. Es ist auch nicht der morgentliche Schmerz in den müden Knochen, der mich so sehr daran hindert das wärmende Bett zu verlassen.

Was mir mein zunehmendes Alter so schmerzlich bewusst gemacht hat ist die Tatsache, dass ich mich nicht mehr so einfach faulenzend auf die Couch legen kann. Ich bekomme sofort das Gefühl, dass ich noch so viel erledigen muss. Das war in meiner Schüler- und Studentenzeit ganz anders. Da konnte ich den halben Tag im Bett verbringen ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen. Wenn ich jetzt meinen von der Arbeit geschundenen Körper auf das heimische Sofa bette, um mich der kurzweiligen und sinnentleerten Unterhaltung des Fernsehers hin zu geben, oder auch einfach nur die Augen schließe, um mich, wenn auch nur für kurze Zeit, in das Land der Träume zu begeben, so kommen mir sofort die vielen unerledigten Dinge auf meiner ToDo-Liste in den Sinn. Muss die Küche mal wieder aufgeräumt werden, oder ist die Steuererklärung noch nicht finalisiert? Muss der Müll noch raus gebracht werden, oder das Material für den Kellerausbau bestellt werden? Sind noch Rechnungen für Hausfrau&Mutter zu schreiben, oder ist es wieder Zeit den Rasen zu mähen? Früher hätten mich diese Gedanken nicht davon abgehalten mich der Muße hinzugeben. Jetzt gerade piept die Spülmaschine und erinnert mich daran, dass sie jetzt ausgeräumt werden will.

Meine Theorie ist, dass diese innere Unruhe mit dem zunehmenden Alter zu tun hat. Eine Art von präseniler Arbeitswut. Ein sich gewahr werden, dass die Zeit langsam abläuft und es noch so viel zu tun gibt. Jetzt verstehe ich so langsam, warum Rentner nie Zeit haben. Sie haben halt so viel zu tun ;-) .

Geschrieben in Allgemein

1 Kommentar bisher

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  1. 31. März 2010 um 20:03 Uhr

    Herbert sagt,

    Lieber Lobpreisleiter,
    ich kann Deinen Frust verstehen, obwohl Du ja noch im Saft Deines Lebens stehst. Ich selber bin Rentner und ich
    könnte meinen Tag eigentlich so einrichten, daß ich meine
    Bedürfnisse befriedige. Aber das geht nicht. Ich muß morgens um 6 Uhr aufstehen. Ich mache Frühstück und wecke
    meine liebe Frau die noch berufstätig ist. Anschließend
    bringe ich sie zur Arbeit,.Aber wenn Du denkst, dasß ich
    dann faulenzenzen könnte hast Du Dich geirrt. Dann habe ich noch so viel zu erledigen, daß ich aufpassen muß,
    daß ich es nicht vergesse meine Frau abends von der Arbeit abzuholen.Glaube mir, mit dem Rentnerdasein wird
    das Leben nicht einfacher.
    Liebe Grüße
    Ein Fan

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